ErftOase statt Ententeich: Eine Chance für Strukturwandel, Tourismus und Naturschutz

Die Diskussion um die geplante Erweiterung des Phantasialands zeigt, wie wichtig es ist, wirtschaftliche Entwicklung und Naturschutz gemeinsam zu denken. Statt Flächen eines Naturschutzgebiets in Anspruch zu nehmen, schlagen wir vor, die Chancen des Strukturwandels zu nutzen und neue Perspektiven im Rheinischen Revier zu schaffen.

Unsere Idee: Die ErftOase als Standort für neue Hotel-, Wellness- und Wasserwelten auf einer Entwicklungsfläche am künftigen Microsoft-Rechenzentrum in Bergheim-Paffendorf. Dort könnte die entstehende Abwärme des Rechenzentrums genutzt werden, um einen Aquapark und Hotels klimafreundlich und energieeffizient zu beheizen.

Die Wärmeversorgung gehört zu den größten laufenden Kosten solcher Anlagen. Die Nutzung der ohnehin anfallenden Abwärme könnte deshalb nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch einen langfristigen wirtschaftlichen Vorteil schaffen. So entsteht ein Konzept, das Ökologie und Ökonomie sinnvoll miteinander verbindet.

Gleichzeitig bietet der Standort ideale Voraussetzungen: großzügige Entwicklungsflächen des Strukturwandels, eine hervorragende Anbindung an die A61 und den regionalen Bahnverkehr sowie die Möglichkeit, das bestehende Phantasialand in Brühl und neue Angebote in Bergheim künftig durch klimafreundliche Mobilitätslösungen miteinander zu verknüpfen.

Für uns ist klar: Das Phantasialand bleibt das Herzstück des Freizeitparks. Die ErftOase könnte eine nachhaltige Ergänzung für Hotels, Wellness und Wasserwelten sein – ohne wertvolle Naturschutzflächen zu beeinträchtigen.

Die Idee steht beispielhaft für den Strukturwandel im Rheinischen Revier: Wo früher Braunkohle gefördert und verstromt wurde, könnten künftig Digitalisierung, erneuerbare Energien und intelligente Wärmenutzung neue Wertschöpfung schaffen. Ein solches Projekt würde Innovation, Tourismus, Arbeitsplätze und Klimaschutz miteinander verbinden und könnte bundesweit Modellcharakter haben.

Deshalb laden wir das Phantasialand, die Kommunen und alle beteiligten Akteur*innen ein, diese Möglichkeit gemeinsam zu prüfen. Der Strukturwandel eröffnet neue Chancen – wir sollten sie nutzen, um nachhaltige Lösungen für Wirtschaft, Menschen und Natur zu entwickeln.

ErftOase: Grüner Vorschlag für ein nachhaltiges Schwimmbad mit Microsoft-Abwärme

Wie kann der Strukturwandel in Bergheim ganz konkret den Menschen vor Ort zugutekommen? Wir finden: indem nachhaltige Infrastruktur entsteht, die Lebensqualität schafft. Deshalb schlagen wir die ErftOase vor – ein modernes Schwimmbad am Standort des geplanten Microsoft-Rechenzentrums in Paffendorf, das dessen entstehende Abwärme sinnvoll nutzt.

Rechenzentren erzeugen große Mengen an Wärme. Statt diese ungenutzt an die Umgebung abzugeben, könnte sie zur Beheizung eines öffentlichen Schwimmbads eingesetzt werden. So würde aus einem technischen Nebenprodukt ein echter Mehrwert für die Menschen in unserer Stadt.

Die ErftOase soll weit mehr sein als ein klassisches Schwimmbad. Unsere Vision ist ein Ort für Sport, Erholung, Gesundheit und Begegnung – mit barrierefreiem Zugang, Schwimm- und Freizeitbereichen, Außenbecken, Rutschen, Ruhezonen sowie einem Rehabilitationsbereich. Ein begrüntes Gebäude mit Photovoltaikanlage und nachhaltiger Architektur soll das Konzept ergänzen und die ErftOase zu einem Vorzeigeprojekt für klimafreies Bauen machen.

Früher waren Schwimmbäder wichtige Treffpunkte in vielen Orten. Heute fehlen vielerorts attraktive und ausreichend große Angebote. Mit der ErftOase möchten wir diesen Gedanken neu interpretieren und gleichzeitig zeigen, wie innovative Energie- und Stadtentwicklung zusammengedacht werden können.

Auch unser Bürgermeisterkandidat Peter Hirseler sieht in der Idee eine große Chance für Bergheim: Strukturwandel muss für die Menschen sichtbar und erlebbar werden. Projekte wie die ErftOase können dazu beitragen, dass neue Ansiedlungen nicht nur wirtschaftliche Impulse setzen, sondern auch die Lebensqualität in unserer Stadt nachhaltig verbessern.

Deshalb fordern wir die Stadt Bergheim auf, die Möglichkeiten der Microsoft-Ansiedlung konsequent zu nutzen und die Machbarkeit eines solchen Projekts zu prüfen. Die ErftOase könnte zu einem Symbol dafür werden, wie ökologischer Fortschritt, soziale Infrastruktur und moderner Strukturwandel erfolgreich miteinander verbunden werden können.

Neues Zeitalter in Bergheim: Microsoft

Am 15.02.2024 gaben der Microsoft-Konzern und anschließend das Bergheimer Rathaus Großinvestitionen im Rheinischen Revier bekannt, unter anderem in Bergheim auf dem Gelände terra:nova bei Paffendorf.

Geradezu euphorisch war die Stimmung des Bürgermeisters, der am Tag zuvor die Fraktionsvorsitzenden der Stadtratsfraktionen geladen hatte, um sie über die Ereignisse der kommenden Tage in Kenntnis zu setzen. Man wolle nun zügig in die Planung gehen, damit das Projekt innerhalb weniger Jahre realisiert werden könne.

Mit der Ansiedlung bekommt das durch den Strukturwandel gebeutelte Bergheim eine neue Identität. Künftig stehen hier die modernsten Rechenzentren Europas, riesige Clouds, angeschlossen an die Hochleistungstrassen für den europäischen Datentransfer, die sich in der Region kreuzen. Bergheim wird digital?

Nicht unbedingt, sagt Dr. Daniel Stadler (Experte und Mitentwickler des Masterplans „Digitalpark“) dem Kölner Stadtanzeiger: „die Ansiedlung von Hyperscalern bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Unternehmen in der Region sich automatisch digitalisieren oder neu aufstellen. Hierzu braucht es Community-Building* Informations- und Weiterbildungsangebote“ (KSTA 16.02.204) Die positiven Effekte auf den Strukturwandel der Region bedürfen eines besonderen Kraftaktes, um zu gelingen.

„Sinnvoll könnte es sein, in der Wirtschaftsförderung der Kommune eine Stelle für „digitale Biotiope“ einzurichten, die aus der Ansiedlung positive Effekte für die Stadt zieht und nicht bloß auf die Entstehung eines Digitalparks zu hoffen. Sich passiv in die Abhängigkeit eines großen Konzerns und dessen Ideen zu geben, kommt Regionen in der Regel nur kurzfristig zugute. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bergheim bestand in der Vergangenheit häufig lediglich in der Schaffung von Industriegebieten, wir müssen eine deutlich aktivere Rolle in diesem Bereich einnehmen und uns entsprechend in das „Community-Building“ einbringen mit den Bedürfnissen unserer Bürger:innen.“, so die Grüne Fraktion. Weiter:

„Gleiches gilt für den Bereich Aus- und Weiterbildung… Wir haben einige Initiativen und Ideen erarbeitet, die die Entwicklungen begleiten sollten! Microsoft möchte 1,2 Millionen Fachkräfte ausbilden. Doch was bedeutet das für unsere eigenen Leute, für Bergheim konkret? Mit Blick auf die Ausbildungsgarantien von Bund und Land, Strukturwandelförderprogramme und dem Anspruch an „lebenslanges Lernen“ müssen wir als Kommune, Kreis und Land Programme und Angebote entwickeln, die den Bergheimer:innen direkt zugutekommen.

Dazu gehört, sich Gedanken um die Erweiterung oder die Ergänzung der Sekundarschulen beziehungsweise um berufsbildende Schulen mit Schwerpunkten in Bereichen wie Elektrotechnik, Netzwerktechnik, Informatik, Sprachen und Projektmanagement machen. Dabei darf der Blick sich nicht nur auf die Jugend richten. Wir brauchen dringend ergänzende Bildungsangebote, die den Zugang zu Studiengängen in den entsprechenden Fachrichtungen ermöglichen, insbesondere für diejenigen, die sich beruflich umorientieren möchten oder müssen.

Die meisten Menschen sind sich nicht darüber bewusst, dass über 70 % der deutschen Arbeitnehmer:innen auch ohne Fachabitur und Abitur eine Hochschulzugangsberechtigung haben. Wer eine Ausbildung abgeschlossen hat und drei Jahre in Vollzeit gearbeitet hat, darf studieren, ganz unabhängig vom Schulabschluss. Bergheim hat immenses Potential. Wir müssen dringend Informations- & Bildungsangebote einrichten, die eben diese Menschen fit für die akademische Weiterbildung machen.

Jedem soll eine berufliche Neuorientierung, unabhängig ob diese im digitalen Bereich liegt, oder nicht, ermöglicht werden. Bergheim soll nicht bloß Pilgerstätte für Arbeitspendler:innen werden. Eine Kombination aus beidem, aktive Mitgestaltung junger Menschen im Transformationsprozess und Erwachsenenbildung wird uns ermöglichen, den Herausforderungen aus dem Strukturwandel beizukommen, das lokale Handwerk zu stärken, eigene Fachkräfte bereitzustellen und die Zukunft von Bergheim aktiv zu gestalten. Wir nennen dieses Bildungsprogramm der Zukunft "EduVenture Bergheim".

Der Konzern verkündet nicht nur eine Ansiedlung innovativer Unternehmen und damit wesentlich zur Wirtschaftsförderung beizutragen, sondern gab ebenfalls einen Ausblick darauf, den Ausbau erneuerbarer Energien vor allen Dingen Solar- und Windkraft zu fördern, um die verbrauchte Energie auch gleichzeitig wieder einzuspeisen** (PHOENIX-Stream Pressekonferenz Microsoft und Olaf Scholz 15.02.2024).

"Energiesicherheit ist ein wichtiges Thema für die Wirtschaft. Das muss auch endlich von der CDU-Mehrheit akzeptiert werden. Seit der Kommunalwahl blockiert die CDU den notwendigen, und von den Bergheimer Bürger:innen gewollten Ausbau der Erneuerbaren Energieproduktion und die sachliche Diskussion um Bergheims Wirtschafts- und Energiepolitik.

Es bleiben viele Fragen und Herausforderungen vorerst offen. Im Planungsprozess müssen wir über Energie-, Wärme-*** und auch die (Grund-)Wasserversorgung sprechen. Das Thema Wasserversorgung gehört zu den zentralen Problemen der Zukunft unserer Region, Stichwort: Nutzungskonkurrenz. Mit der euphorischen Verkündung eines Heilsbringers in der Region ist es bei weitem nicht getan. Vor uns liegt ein großes Stück Arbeit. Wir freuen uns auf die kommenden Herausforderungen und wollen die Bedürfnisse der Bergheimer:innen gezielt eingebracht und vorangebracht wissen. Spannend werden sicherlich die kommenden Planungsausschusssitzungen und Ratssitzungen, dort werden wir beginnen uns mit all diesen Fragen auseinanderzusetzen. Wir fordern Transparenz für Bergheim über den gesamten Prozess und verweisen in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ des Grünen Steakholderdialogs****."

Pressemitteilung vom 17.02.2024 - Die Grüne Fraktion im Rat der Stadt Bergheim

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Fußnoten

* Prozess der Schaffung und Entwicklung einer Gemeinschaft von Menschen, die gemeinsame Interessen, Werte oder Ziele teilen. Es handelt sich um eine gezielte Bemühung, eine Gruppe von Individuen miteinander zu verbinden, um eine unterstützende und engagierte Gemeinschaft zu bilden

** Pressekonferenz Olaf Scholz und Brad Smith 15.02.2024 im PHOENIX-STREAM https://www.youtube.com/watch?v=ytDR8KkQE3o

*** Verweis auf das am 17.11.2023 veröffentlichte Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz in Deutschland (EnEfG) in dem Regularien explizit für Rechenzentren geregelt sind. https://www.gesetze-im-internet.de/enefg/BJNR1350B0023.html

**** https://www.gruene-bundestag.de/themen/netzpolitik/digitalisierung-und-nachhaltigkeit